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Dass Kultur- und im besonderen Musikkritik nicht nur im theoretischen (und oft konservativ hinabblickenden) Bereich funktionieren kann, sondern auch mithilfe des wunderbar progressiven Wesens der Parodie effektiv ist, haben mir zuletzt die wunderbaren Boiler-Room-Bilderstürme gezeigt.

Neuestes Fundstück: Ein wunderschöner und genauso böser wie ehrlicher Kommentar auf die Langweiligkeit der unambitionierten deutschen Unterhaltungsmusik:

Und ein weiterer Grund, Jan Böhmermanns politische Ambitionen Unterstützung erfahren zu lassen.

Von am
25. Oktober 2014
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Es scheint mir, dass eine Debatte überfällig ist, die vielleicht geführt worden sein mag, aber wenn, dann nicht in der entsprechenden Schonungslosigkeit und der angemessenen Emphase. Es geht um ein Problem, das die meisten Mitteleuropäer_Innen betreffen sollte, die in sogenannten „Großstädten“ leben. Ein Problem, das aufgrund seines natürlichen physisch-direkten Zutagetretens schon längst zu einem Unmut, einem Protest – man mag auch einen boulevardjournalistischen „Skandal“ als meinungspolitisches Mittel legitimieren -, kurz: einem Aufschrei geführt haben sollte: Segways.
Segways sehen nicht nur scheiße aus und sind teuer, nein – mehr noch, sie sind peinlich. Es gibt nichts Peinlicheres, als eine Gruppe Betriebsausflügler, die unter leisem Surren des Elektromotors, steif wie aufgesteckte Besen in einer ordentlichen Reihe um eine Ecke fahren und über die an den Lenkmodulen angebrachten Lautsprecher den übers Head-Set-Mikrofon durchgegebenen Hinweisen des Stadtführers im ersten Segway lauschen.

Dies geht raus an die Menschheit: Lasst diesen Scheiß! Segways sind nicht cool und kein Mensch beneidet euch, wenn ihr mit Segways an ihnen vorbeidüst! Segways sind ein ästhetisches und damit soziales und moralisches Verbrechen.

segway

Von am
29. September 2014
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Das Handy – genauer das SMS-Schreiben – ist nichts weiter als ein Rückversicherungsmechanismus einer gesamtgesellschaftlichen Neurose, die es zu behandeln versucht, obwohl es sie eigentlich erst erzeugt.

„Sie antwortet nicht.“

„Ich glaube, ich hab ne seltsame SMS geschrieben.“

Subtiler: „Nach nem Date erst nach drei Tagen ne SMS schreiben, sonst machst dus ihr zu leicht.“

Erstaunlich, welche Bedeutung die SMS besitzt, obwohl doch niemand ernsthaft bestreiten würde, dass ihr inhaltliches Gewicht in der Regel gegen Null tendiert. Man muss ihre Bedeutung daher nicht aus dem Inhalt, sondern aus ihrer Form ableiten, die eben nichts weiter als einem neurotischen sozialen Reflex – einem Rückversicherungsmechanismus – entspricht.

Als logische Konsequenz muss sich auch der Inhalt der Kommunikation ihrer Form angleichen. Bis es irgendwann nichts mehr gibt, über das man zu kommunizieren wagt, außer der Angst vor der Kommunikation.

Was für eine große Macht so ein kleines Gerät besitzt.

Dies ist kein Plädoyer fürs Briefeschreiben, das wäre reaktionär. Es ist ein Plädoyer für wahre und selbstbewusste Kommunikation, die sich bewusst der jeweiligen Kommunikationsmittel bedient, statt Sklave ihres dispositiven Mechanismus zu werden.

Ein guter Tipp: Für nichts ist die SMS besser gemacht, als für kleine inhaltslose Vierzeiler:

Ich sitze vor dem Kästchen,

wenns klingelt wärs der Hammer.

Ich brauch soziale Ästchen,

an die ich mich dann klammer.

116 Zeichen.

Von am
30. November 2012
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