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Wieder einmal hat sich das Neomagazin als eine der wenigen ernstzunehmenden Satire-Magazine in Deutschland bewiesen. Danke an Jan Böhmermann für folgenden Kommentar zu Bob Geldof, Campino und Allem, was zur Weihnachtszeit mal wieder in guter alter postkolonialer Manier an vulgärem Helfersyndrom in unserem kulturellen Selbstverständnis herumstinkt:

Wer sich nicht sparen kann, den Band-Aid-Aktivisten beim sich selbst Einwichsen zuzusehen – biddesehr:

Von am
27. November 2014
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Wär ich ehrlich – das wird mir glauben:

jeder der mich ernst versteht, –

dass das Schreiben dieser Zeilen

gegen ihre Logik geht.

Denn in ihrem Engagement

stehn sie – sagt der Titel schon –

dafür, manchmal Nichts zu tun

gepflegte „Prokrastination“.

Um zu verstehen, was ich meine

Bedarf es eines Leserschindens:

Ein kurzer Abriss des verkopften

deutschsprachlichen Zeitempfindens

Das „Präsens“ zeigt uns Alles das,

was dem Subjekt „jetzt“ zustößt.

Und wird – ist der Moment vorbei –

vom nächsten Tempus abgelöst.

Das „Futur I“ erzählt die Zukunft:

Alles, was „ab nachher“ ist.

Alles, was man zeitlich, gerne

mit der Floskel „später“ misst.

Im „Futur II“ passierten Dinge

die im Präsens noch nicht waren.

Dieses „Zukunftsperfekt“ hilft uns

So nen Geistesknick zu fahren.

Doch welche Zeit – nun kommt mein Punkt –

erzählt, was morgen gestern hätt‘ erledigt

werden

sollen

verschollen

im Zeitgefühl

Dings

Bums

vergessen

?!?

Zurück zum Punkt: Prokrastinieren

hätt‘ den alten Marx geehrt:

Ein Bewusstsein kritisch wie

historisch – so hat er’s gelehrt!

Voller Ideen, Zukunftsträume

kritisch stets im Präsens stehen.

Und zugleich der Blick zurück:

Alles schonmal scheitern sehen.

Ein Gespenst geht durch Europa

Das Gespenst heißt Joint und Sofa

Gedicht vorbei, mir fiel grad ein

„Hol endlich mal die Wäsche rein.“

Von am
13. November 2014
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Laut N24 verdichten sich die Hinweise, dass Kiffen tödlich ist; die Bild titelt, die Bundesagentur für Arbeit wolle an Arbeitslosen Drogentests durchführen. Drogenbashing wo man hinschaut.

Auf dem einen Augen blind wird dabei gerne übersehen, dass es sich bei der deutschen Volksdroge Nummer 1 – dem sich überall seiner großen Beliebtheit erfreuenden Alkhol – um eine der toxischsten Drogen überhaupt handelt. Das größte Drogenfestival der Welt, das Münchner Oktoberfest, soll gar zum Weltkulturerbe erklärt werden. Dem Aufmerksamen beobachter bleiben aber die toxischen Wirkungen des Alkohols nicht verborgen. Ernüchternd.

 

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Mehr Highlights gibt es auf muenchenkotzt

Die Allmachtsphantasien von Banken wurden im Zuge der Finanzkrise ausgiebig kritisiert. Ebenso ihr perverses Bestreben, Alles und Jeden im Maßstab des Geldes zu erfassen (und damit eine Lösung für bestehende Probleme liefern zu wollen [!]). Wie wenig Banken ökonomische Probleme lösen können, ja wie sehr sie der Unterstützung durch die Gesellschaft bedürfen, um überhaupt moch existieren zu können, lässt sich momentan in Portugal beobachten.

Portugal, das von mir als mittelmäßige Urlaubsadresse und vor allem aber als Hort des katholizistische Konservatismus belächelt wurde und wird, zeigt dabei wunderbar, welche Blüten verengter katholizistischer Glaube und ökonomische Allmachtsphantasien treiben können. Aber wenn sie nur fest genug glauben, werden sich ihre Probleme mit Sicherheit lösen:

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(Quelle: Wikipedia)

Von am
4. August 2014
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Affen

Und das auf mehreren Ebenen:

1. im Lösungsansatz

Eines der Kriterien, die Karl R. Popper (ein Name, der vielleicht an anderer Stelle unter anderem Titel diskutiert werden sollte) an eine wissenschaftliche Theorie stellt ist ihre Ökonomie: Grundsätzlich ist unter den denkbaren Lösungen eines Problems die einfachste zu bevorzugen. Einfach wäre es im Falle dieser Arte Doku, die gezeigten Verhaltensweisen von Affen identisch auf den Menschen zu übertragen. Aber: Auch wenn der hier gezogene Schluss zweifelsohne biologistisch ist, sind die Parallelen teilweise erschreckend.

2. Im Versuchsaufbau

Was passiert, wenn gut tausend Affen mit genug Nahrungsmitteln, aber auf zu engem Raum gemeinsam miteinander auskommen müssen? (Eine Konstellation, die sich so ähnlich auch wunderbar im aktuellen Dschungelcamp beobachten lässt)

Obwohl diese Insel ein Paradies sein könnte, schaffen sie sich selbst eine Hölle.

Beim Betrachten der Bilder kann ein Bewusstwerden der eigenen Affenhaftigkeit gar nicht ausbleiben und bringt vielleicht doch den ein oder anderen dazu, sein Handeln zu reflektieren.

800px-Brusthaare

Wie uns alle die Werbung gelehrt hat, stellen Haut und Haare wegen ihrer unterschiedlichen molekularen Zusammensetzung, ihrem unterschiedlichen ph-Wert und ihren damit grundsätzlich andersartigen Eigenschaften natürlich auch grundsätzlich andere Anforderungen an die zu verwendenden kosmetischen Produkte – ehemals „Seife“ genannt. Deshalb bedachte uns die moderne Kosmetikindustrie mit den Segnungen Haarshampoo und Duschgel.

Ich weiß nicht, wie mir diese Tatsachen ein Vierteljahrhundert verborgen bleiben konnte, aber vorhin beim Duschen fiel mir auf, dass ich wie die meisten Männer Haare nicht nur auf dem Kopf, sondern auch unter den Achseln sowie an Sack und Arsch trage. Dies stellt mich vor den bisher unlösbaren Konflikt: ist in diesem Fall Shampoo oder Duschgel zu verwenden, bzw. wie bekomme ich es hin, das Shampoo nur auf die Haare, das Duschgel nur auf die Haut aufzutragen?

Vielleicht solllte ich mich mit dieser Frage mal an die Kundeninformation von Axe, Schwarzkopf und Co. wenden.

Von am
10. Januar 2014
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Über die von der Großen Koalition geplante Form der doppelten Staatsbürgerschaft, die einen Großteil der – auch in Deutschland geborenen und hier sozialisierten – Migranten ausschließt, sagt der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat:

„Die erste und zweite Generation der Gastarbeiter, die viel zum Aufbau und Wohlstand dieses Landes beigetragen haben, bleiben bei dieser Regelung außen vor. Ihnen die doppelte Staatsbürgerschaft zu geben, wäre ein Zeichen der Anerkennung ihrer Lebensleistung gewesen.“

http://www.tagesschau.de/inland/integration218.html

Vielen Dank, Herr Kolat! Aber ist es nicht viel mehr als das? Auch wenn ich (wenn ich dem Ganzen ein absichtsvolles Handeln unterstelle) beginne, in das wuchernde Reich der Verschwörungstheorien abzudriften:

In Deutschland haben wir momentan einen Migrantenanteil von 20%. Würde all diesen in Deutschland lebenden Migranten auf einmal die Möglichkeit der doppelten Staatsbürgerschaft gegeben, könnten wir bei der nächsten Wahl über 16 Millionen neue Wähler haben, die sich wahrscheinlich wenig mit bürgerlich-konservativen Werten, der abendländisch-christlichen Tradition und politischer Arbeit à la Weißwurschtniveau identifizieren können.

Na?

Von am
29. November 2013
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Dieses Meiserstück der Werbung kann eigentlich nur mit einem Attribut bedacht werden: Glanzvoll!!!

Obwohl es sich hierbei um eine Werbung von Krauss Maffei Wegmann handelt (!) trieft der Honig aus ihr wie aus Baklava.

Der Spot hat eigentlich alles, was eine perfekte Idylle braucht. Der Mittelteil ist leider etwas langatmig geraten und eher was für Techniknerds, die sich darauf einen runterholen können. Gerade zum Schluss aber schafft es der Film wieder zu seiner anfänglichen Höhe zurück zu kommen. Die subjektive Kamera – mit brachialer Eleganz inszeniert – nimmt den Zuschauer direkt mit in die bunte Erlebniswelt von Kabul. Von der verniedlichenden Tiermetapher bis zur perfekten Familienwelt wird alles bemüht, was auch nur im entferntesten nach Euphemismus riecht. Der Mienenanschlag wird genauso zur Attraktion wie die frische Packung Kinder-MaxiKing im Kühlschrank.

Die Frage, warum sich im Nato-Einsatzgebiet Europäerinnen auf der Ladefläche einer Mercedes-Pritsche herumtreiben und gerettet werden müssen, lässt der Film leider unbeantwortet. Dies tut dem Erlebnis aber glücklicherweise keinen Abbruch:

Da bleibt eigentlich nur ein mögliches Fazit: ABSOLUT ZUM KOTZEN!!!

„Was wir als Klugheit der Älteren ehren, ist doch nichts anderes als die panische Angst vor dem Handeln. Wollt Ihr Euch denen unterwerfen, denen die Faulheit bereits die Muskeln hat erschlaffen, die Arterien verkalken, den Geist verdampfen lassen und denen sie das Mark aus den Knochen saugt? Wenn ihr eine Frau anbetet, tut Ihr das etwa nicht wegen ihrer Schönheit? Macht Ihr vielleicht Eure Kniefälle weiter, wenn das Alter jenen Leib zu einem Gespenst reduziert hat, das zu nichts anderem mehr taugt, als Euch an den nahen Tod zu erinnern?“

SCHÄUBLEMERKELFRIEDRICH

„Und wenn Ihr´s bei Euren Geliebten so haltet, warum solltet Ihr´s dann nicht auch bei Euren Greisen so halten? Ihr werdet jetzt sagen, daß jener Greis Euer Vater ist und daß Euch der Himmel ein langes Leben versprochen habe, wenn Ihr Euren Vater ehret. Aber wer hat das gesagt? Das haben hebräische Greise gesagt, die begriffen hatten, daß sie in der Wüste nur überleben konnten, wenn sie die Frucht ihrer Lenden ausbeuten. Wenn Ihr glaubt, der Himmel lasse Euch auch nur einen Tag länger leben, weil Ihr Eures Vater Lämmchen gewesen seid, täuscht ihr Euch.“

Umberto Eco. Die Insel des vorigen Tages
Von am
17. November 2013
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… zählt zu den medialen Protestmöglichkeiten, derer ich mich selbst gerne bediene. Wie geht man aber damit um, wenn die eigene Arbeit kreativ verfremdet wird?

Manchmal ergeben sich dabei eben interessante Kombinationen, die weit über die eigene kreative Leistung hinausreichen können:

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http://spysun.wordpress.com/2013/08/26/berlin-suppe-und-mucke-2013-the-5th-soup-festival-of-friedrichshain/
Von am
2. September 2013
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Möglich durch Wordpress und Uberspace