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Wär ich ehrlich – das wird mir glauben:

jeder der mich ernst versteht, –

dass das Schreiben dieser Zeilen

gegen ihre Logik geht.

Denn in ihrem Engagement

stehn sie – sagt der Titel schon –

dafür, manchmal Nichts zu tun

gepflegte „Prokrastination“.

Um zu verstehen, was ich meine

Bedarf es eines Leserschindens:

Ein kurzer Abriss des verkopften

deutschsprachlichen Zeitempfindens

Das „Präsens“ zeigt uns Alles das,

was dem Subjekt „jetzt“ zustößt.

Und wird – ist der Moment vorbei –

vom nächsten Tempus abgelöst.

Das „Futur I“ erzählt die Zukunft:

Alles, was „ab nachher“ ist.

Alles, was man zeitlich, gerne

mit der Floskel „später“ misst.

Im „Futur II“ passierten Dinge

die im Präsens noch nicht waren.

Dieses „Zukunftsperfekt“ hilft uns

So nen Geistesknick zu fahren.

Doch welche Zeit – nun kommt mein Punkt –

erzählt, was morgen gestern hätt‘ erledigt

werden

sollen

verschollen

im Zeitgefühl

Dings

Bums

vergessen

?!?

Zurück zum Punkt: Prokrastinieren

hätt‘ den alten Marx geehrt:

Ein Bewusstsein kritisch wie

historisch – so hat er’s gelehrt!

Voller Ideen, Zukunftsträume

kritisch stets im Präsens stehen.

Und zugleich der Blick zurück:

Alles schonmal scheitern sehen.

Ein Gespenst geht durch Europa

Das Gespenst heißt Joint und Sofa

Gedicht vorbei, mir fiel grad ein

„Hol endlich mal die Wäsche rein.“

Von am
13. November 2014
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Die Romantiker, die habens halt einfach gecheckt: Gesoffen, Gefeiert, Gevögelt… Und wie als schmückende Beigabe noch philosophiert und geilen Scheiß geschrieben. Hier ein schlüpfriges Bonbon von Friedrich Schlegel (der übrigens mit seinem Bruder für ihre „erotischen Abenteuer“ in Weimar berüchtigt war) aus seinen „Erotischen Sonetten“. Den Rest gibts hier.

Füntes Sonett

So liegst du gut. Gleich wird sich’s prächtig zeigen
Wie klug mein Rat: ich schiebe meinen Dicken
In dein bemoostes Tor – man nennt das Ficken.
Du fragst warum? – Davon laß jetzt mich schweigen.

Schon seh‘ ich Schmerz in deinen blanken Blicken,
Das geht vorbei: du mußt zurück dich neigen,
Gleich wird dein Blut dir jubeln wie die Geigen
Von Engeln, welche ihre Brünste schicken

In bebender Musik zum Ohr der Welt.
Famos!. . . Du einst dich mir in bravem Schaukeln.
Die Schenkel schmiegen pressend, es umgaukeln

Mich Düfte, die mich locken in die Unterwelt.
Ein Stoß – ein Schrei! . . . Die weißen Glieder zittern
Im Kampf wie Apfelblüten in Gewittern.

Von am
12. Juli 2013
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